Ein neuer Spion
Gestern haben sich unsere vier Helden in die Anlage der Residenz Chiraque geschlichen und erfolgreich über einen Stalljungen eine Nachricht an Nina übermittelt, die diese nun an sie weitergeben soll. Da das Treffen jedoch erst heute stattfinden wird, verschlug es unsere Freunde zunächst zu Udo nach Fichtenstein. Nach einem unterhaltsamen Abend und einem leicht verkaterten Vormittag stehen die vier nun abmarschbereit im Hinterhof von Udos Gasthaus und satteln ihre Pferde, um sich auf den Weg zum verabredeten Treffpunkt mit Nina zu machen. Langsam traben die vier Pferde durch die kalte Herbstluft, während die Sonnenstrahlen funkelnd auf dem Reif der weiten Wiesen reflektieren. Gemütlich erreichen sie nach drei Stunden den kleinen Abzweig zur Residenz. Etwas abseits davon, gute zwanzig Meter von der Straße entfernt, binden sie ihre Pferde fest und schlagen sich anschließend ihren weiteren Weg durch das morastige Telzer Moor. Sie müssen kaum an ihrem Treffpunkt warten, als sie bereits ein leises Rascheln hören. Schritte nähern sich langsam, und schließlich tritt Nina aus dem Schatten einer großen Weide hervor. „Na ihr“, begrüßt sie die vier fröhlich und lächelt ihnen zu. „Was gibt’s?“, fragt sie weiter und blickt Aldric aufmerksam an. „Ähh, ja also, wir wollten uns erkundigen, was es so Neues bei dir gibt. Hast du Kontakte geknüpft, und wie sieht’s mit neuen Informationen aus?“, antwortet Aldric. Zufrieden erzählt Nina, wie viel Spaß ihr der neue Job macht, da sie zum einen weiterhin ihren alten Beruf ausüben kann – und dabei auch noch deutlich besser verdient als zuvor – und zusätzlich eine neue Herausforderung hat. Für sie sei es wie ein Spiel, bei dem sie möglichst unbemerkt so viele intime Informationen wie möglich aus ihren Kunden herausbekommen müsse. Für jede relevante Person innerhalb der Residenz sowie für alle externen Kontakte, die sie bei Festen oder anderen Feierlichkeiten kennengelernt hatte, habe sie einen eigenen Eintrag in ihrem Tagebuch angelegt. Diese würden nach jedem Treffen aktualisiert und stetig umfangreicher werden.
„Das sind ja fantastische Neuigkeiten“, freut sich Löwenzahn. „Dann machst du also weiter?“, fragt Theo euphorisch. „Klar“, bestätigt Nina.
Im Anschluss besprechen die fünf noch kleinere Details, etwa die Bezahlung und welchen Ort sie künftig als toten Briefkasten nutzen wollen. Danach verabschieden sich unsere Freunde von Nina und kehren zu ihren Pferden zurück. „Mega, dass wir mit Nina jetzt eine so gut platzierte Spionin installiert haben“, sagt Aldric glücklich. „Wollen wir dann heute noch direkt zu Leutnant Kampf gehen und ihm von den Neuigkeiten berichten?“ Er erntet zustimmendes Nicken, und so geht es zurück nach Fichtenstein. Dort halten Kel, Aldric, Theo und Löwenzahn jedoch nur für eine kurze Getränkepause bei Udo, bevor es direkt weiter zum Hafen geht.
Vor dem Hafenkontor binden die vier ihre Pferde an einen hölzernen Balken und betreten das Gebäude. Sie bahnen sich ihren Weg durch diverse Kisten und Säcke, bevor sie die kleine Treppe zum Büro von Leutnant Kampf hinaufsteigen. Vorsichtig klopft Löwenzahn an die Tür. Sofort ertönt ein harsches „Herein!“, und sie treten ein. Leutnant Kampf sitzt hinter seinem riesigen Schreibtisch aus Massivholz und schaut sie überrascht an. „Ach, ihr lasst euch hier doch noch mal blicken?“, fragt er herausfordernd und zieht skeptisch die Augenbrauen hoch. „Natürlich, wir wollten ja nur die beste Option einschleusen und nicht irgendeinen Erstbesten“, antwortet Aldric direkt und blickt ihn auffordernd an. Doch Leutnant Kampf lässt sich nicht auf ein Wortgefecht ein, lehnt sich stattdessen in seinem Ledersessel zurück und sagt: „Dann erzählt mal, was euer Spion so alles kann.“
Gemeinsam berichten die vier von ihrer Suche nach einem geeigneten Kandidaten, ihrer Idee mit Nina und davon, wie sie deren Leistung bereits überprüft haben. „Nicht schlecht“, antwortet Leutnant Kampf schließlich sichtlich beeindruckt. „Mit so einer geschickten Auswahl habe ich nicht gerechnet.“ Dann ergänzt er: „Ihr habt euch damit als würdige Vertragspartner erwiesen. Wenn ihr Interesse habt, hätte ich einen weiteren Auftrag für euch.“ Gespannt blicken sich unsere Helden an und nicken schließlich zustimmend.
„Na gut. Ich habe hier ein wertvolles Amulett erhalten, das in die Hauptbasis meiner Gilde überbracht werden muss“, beginnt Leutnant Kampf zu erzählen. „Da dieser Unterschlupf geheim ist, müsst ihr einen Schlüssel im ehemaligen Quartier auf der Selbinger Felseninsel finden, der euch den Weg zu einem Versteck weist. Dort findet ihr eine verschlüsselte Beschreibung der Lage unserer Basis. Nur wenn ihr diese Prüfungen erfolgreich absolviert, wird es euch gelingen, unser Quartier lebend zu erreichen“, führt Kampf mystisch weiter aus. „Ich habe hier noch eine kleine Hilfe für euch“, beendet er schließlich seine Erzählung und überreicht Löwenzahn eine Flasche mit klarer Flüssigkeit. „Außerdem werdet ihr diesmal im Voraus bezahlt. Ihr könnt zwei der vier möglichen Belohnungen wählen: zwanzig Schattenpfeile, eine Lederhose der Initiative, ein Bombenset oder einen Zackenspeer.“
Aufgeregt schauen sich unsere Freunde an und verfallen in eine angeregte Diskussion darüber, welche Items wohl die beste Wahl sind. Wie diese Entscheidung ausfällt, erfahrt ihr allerdings erst in zwei Wochen im nächsten Blog von Arkanthia Pen and Paper.