Fette Beute
Nachdem unsere vier Freunde beim letzten Mal die Quest abgeschlossen hatten, einen neuen Spion in der Residenz Chiraque einzuschleusen, standen sie erneut vor Leutnant Kampf. Zufrieden mit ihrer Arbeit bot er ihnen direkt einen weiteren Auftrag an: ein geheimnisvolles Amulett in den Unterschlupf seiner Gilde zu bringen. Da ließen sich unsere Helden natürlich nicht lange bitten und stimmten dem Deal sofort zu. Als Vorabbelohnung wurden ihnen bereits vor zwei Wochen vier verschiedene Optionen angeboten – zwanzig Schattenpfeile, eine Lederhose der Initiative, ein Bombenset oder ein Zackenspeer –, doch entschieden hatten sich unsere Freunde bisher noch nicht.
„Ich brauche unbedingt diese Hose, sonst bin ich im Kampf ja nie dran“, meldet Kel direkt Anspruch auf eine der Belohnungen an. „Da hast du wohl recht, die wäre wahrscheinlich wirklich eine gute Wahl“, bestärkt ihn Löwenzahn, und auch Aldric und Theo nicken zustimmend. „Ich hätte ansonsten auch großes Interesse an den Bomben“, ergänzt der Halbling anschließend und kann sein gieriges Grinsen kaum verbergen. „Ich finde tatsächlich auch weder die Pfeile noch den Speer so wirklich interessant“, antwortet ihm Löwenzahn. „Sehe ich genauso“, stimmt Aldric dem Halbork zu und wendet sich dann an Leutnant Kampf. „Wir hätten gerne das Bombenset und die Lederhose der Initiative.“
„Alles klar“, antwortet dieser, geht zu einem Schrank auf der anderen Seite des Raumes und kramt ihre Belohnungen hervor. „Dann viel Spaß damit. Hier ist außerdem noch das Amulett. Ich hoffe, ihr führt den Auftrag genauso verlässlich aus wie die Suche nach einem Ersatz für Emanuel.“ Mit diesen Worten wendet sich Leutnant Kampf wieder seinen Schreibtischunterlagen zu.
Etwas unsicher schauen sich unsere vier Freunde noch kurz um, doch als Leutnant Kampf keine Anzeichen macht, das Gespräch fortzusetzen, verlassen sie sein Büro und gehen zurück zu ihren Pferden. „Boah, ich will die Hose eigentlich sofort anziehen“, freut sich Kel über seine Belohnung und betrachtet die Lederhose ein weiteres Mal zufrieden. „Ja, darauf musst du jetzt aber halt erst mal noch kurz warten“, antwortet ihm Theo, der seine Bomben ebenso gerne testen würde. „Für uns geht es jetzt nämlich nach Selbingen, um dieses mysteriöse Versteck zu finden.“ „Aber das schaffen wir heute doch gar nicht mehr?“, fragt Löwenzahn, und auch seine beiden anderen Begleiter schauen ihn überrascht an. „Dann müssen wir eben wieder im Wanderer übernachten“, grinst Theo und blickt Kel Tuh Las frech an. „Boah, das muss jetzt echt nicht sein“, erwidert Kel, doch Löwenzahn und Aldric scheinen von dieser Option überzeugt zu sein. „Ach, ihr könnt mich mal“, grummelt Kel und zieht mit unzufriedener Miene davon.
Als seine drei Freunde ihn etwas später auf der Straße nach Fichtenstein wieder einholen, ist Kel zwar noch immer leicht genervt, hat sich aber wieder im Griff. „Ganz ehrlich, ist doch egal, dass du Elisabeth beim letzten Mal etwas näher kennengelernt hast. Da kehren doch so wenige Leute ein, dass sie sich bestimmt trotzdem über uns freut“, muntert ihn Löwenzahn auf. Allerdings macht sich Kel weniger Sorgen darüber, was Elisabeth denkt – er hat einfach keine Lust, die Wirtin erneut zu sehen. Trotzdem akzeptiert er sein Schicksal, und nach einer kurzen Stippvisite bei Udo machen sich unsere Freunde schließlich auf den Weg nach Selbingen.
Den Weg zwischen Fichtenstein und Selbingen kennen unsere Helden inzwischen zur Genüge, und so reiten sie recht gelangweilt nebeneinander her. Kurze Gespräche über Herkunft und Bedeutung des Amuletts flammen immer wieder auf, versiegen jedoch ebenso schnell. Am frühen Abend erreichen sie schließlich das Gasthaus Zum Wanderer. Nachdem sie ihre Pferde draußen in einem kleinen Stall untergebracht haben, betreten sie das Gasthaus. Elisabeth blickt hinter ihrem Tresen auf, und ihre Augen weiten sich sichtbar. Ob aus Überraschung, Freude oder anderen Gefühlen, können sie nicht einschätzen – dass sie die Gruppe wiedererkennt, steht jedoch außer Zweifel (und ist nach dem letzten Besuch ehrlich gesagt auch nicht wirklich überraschend).
„Na, was kann ich für euch tun?“, fragt Elisabeth und wendet sich dabei direkt an Kel. Sie versucht ein verschmitztes Lächeln aufzusetzen, das allerdings eher an eine Grimasse erinnert als an irgendetwas Erotisches. „Äh, ja, hallo“, stottert Kel, bevor Aldric wieder als Wortführer einspringt. „Wir würden hier gerne übernachten. Am besten vier Einzelzimmer, inklusive Verpflegung, wenn das möglich ist“, erklärt er Elisabeth ihr Anliegen. „Sicher“, antwortet sie. „Dieses Mal nehme ich aber Vorkasse“, ergänzt sie und wirft Theo dabei einen strengen Blick zu. „Das passt“, stimmt Aldric der Abmachung zu.
Kurze Zeit später sitzen die vier bei fettigem Braten und süffigem Bier im Schankraum und lassen den Abend ruhig ausklingen. Tatsächlich bleibt es dieses Mal auch dabei, und sie verabschieden sich früh in ihre Betten, da der nächste Tag mit Sicherheit lang genug werden wird.
Und so beginnt der neue Tag auch schon sehr früh. Zu ihrem Glück ist Elisabeth ebenfalls bereits auf den Beinen und bietet ihnen noch ein stärkendes Frühstück an, bevor es für die vier zurück auf die Helenau-Handelsroute geht. Der gesamte Vormittag vergeht mit der Reise nach Selbingen, bis sie schließlich den kleinen Ort am Selbigsee erreichen. Aus diesem ragt stolz die Felseninsel hervor – doch ob unsere vier Freunde dort tatsächlich das Versteck der mysteriösen Gilde von Leutnant Kampf finden, erfahrt ihr erst in zwei Wochen im nächsten Blog von Arkanthia Pen and Paper.