Den Schatten auf der Spur



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Für unsere vier Helden Theobald Bonter, Löwenzahn, Kel Tuh Las und Aldric von Praven geht es dieses Mal zurück auf die Selbinger Felseninsel. Nachdem sie bereits beim letzten Mal in Selbingen angekommen waren, lassen sie sich heute nicht weiter aufhalten. Sie legen ihre Habseligkeiten, die sie für diese Mission nicht brauchen, in ihrem kleinen Strandhaus ab und begeben sich anschließend zu ihrem Pier.

Dort liegt noch eines der Boote, das sie vor mehreren Wochen den mysteriösen Blassen abgenommen hatten. Die Blassen waren Banditen von der Insel Ceaydryssnar, die mithilfe eines Trankes ein geisterhaftes Aussehen erlangten. Dieses nutzten sie, um die Bewohner Selbingens in Angst und Schrecken zu versetzen. Da diese Bedrohung jedoch bereits besiegt wurde, können unsere vier Freunde dieses Mal ganz in Ruhe zur Felseninsel paddeln und sicher die schroffe Küste betreten. Alle bis auf Aldric zumindest, der noch immer panische Angst vor Wasser hat und die Bootsfahrt entsprechend wenig genießt.

Nach etwas mehr als 45 Minuten erreichen unsere Freunde schließlich die Insel und klettern aus dem Boot. „Erinnert ihr euch noch daran, dass wir beim letzten Mal eine kleine Höhle entdeckt hatten, in der ein Seil, Tinte und ein Fernrohr versteckt waren?“, fragt Theo in die Runde. Während Kel ihn mit leerem Blick anstarrt, verzieht Löwenzahn zumindest nachdenklich das Gesicht. „Ja, ich glaube, da hast du recht“, antwortet schließlich Aldric mit schwacher Stimme. Sein Gesicht ist von der Bootsfahrt noch immer schneeweiß mit einem leicht grünlichen Touch. „Ja, dann mal hin da“, motiviert Theo seine Freunde, und so beginnen die vier ihren Aufstieg auf die höher gelegenen Ebenen der Insel.

Da sich ihnen heute keine Gragur-Echsen in den Weg stellen, erreichen sie die besagte Höhle im Handumdrehen. Wie schon beim letzten Mal liegt sie kalt und verlassen vor ihnen. Der Holzeimer steht noch genauso in der Höhlenecke, wie sie ihn vor einigen Wochen zurückgelassen haben, und auch die Tintenphiole liegt noch unangetastet darin.

Sie kramen das Fernglas und das lange Seil, das sie beim letzten Besuch mitgenommen hatten, aus ihren Rucksäcken und schauen sich dann fragend an. „Ja und jetzt?“, fragt Löwenzahn in die Runde, erntet jedoch nur ratloses Schulterzucken. „Keine Ahnung“, antwortet Kel schließlich und fragt dann: „Hatte uns Kampf nicht noch Wasser mitgegeben?“ „Du hast recht“, sagt Aldric und holt die Flasche aus seinem Rucksack. „Aber die hilft uns jetzt auch nicht wirklich, oder?“ Zustimmendes Nicken folgt.

Statt sich weiter ratlos umzusehen, entscheiden sich die vier, der Höhle eine gründliche Inspektion zu unterziehen. Sie klopfen die Wände nach einer doppelten Wand ab, tasten alles nach möglichen Druckmechanismen ab und lauschen dem kalten Gestein. Doch nichts davon führt zum Erfolg. Eine halbe Stunde später stehen sie erneut in der Höhle und sehen sich frustriert an. „Das ist doch scheiße, soll Kampf das Amulett halt selbst zu seiner Gilde bringen“, flucht Kel und tritt wütend gegen einen kleinen Kieselhaufen. Während die meisten Steinchen in hohem Bogen durch die Luft fliegen, rollen einige über den Boden – und verschwinden plötzlich. „Habt ihr das gesehen?“, ruft Löwenzahn und lässt sich auf die Knie fallen. Er fährt mit den Fingern über den Boden. „Hier sind überall kleine Löcher. Vielleicht soll die Tinte auf den Boden gekippt werden, und mit dem Wasser wird sie dann in die Löcher gespült“, überlegt er laut.

Plötzlich sind auch die anderen hellwach. Sie beschließen, Löwenzahns Idee auszuprobieren, und platzieren draußen vor der Höhle eine Person mit dem Fernglas. Diese soll von der Klippe neben dem Eingang aus beobachten, ob sich etwas tut.

Kurz darauf öffnet Löwenzahn die Tintenphiole und kippt sie vor ihren Füßen auf den Boden. Kel schüttet rasch das Wasser hinterher. Eine schwarze Pfütze entsteht und verschwindet tatsächlich Sekunde für Sekunde, bis sie nach etwa zehn Sekunden vollständig weg ist. „Da!“, hören sie Theo von draußen rufen. Mit schnellen Schritten eilen Kel, Löwenzahn und Aldric aus der Höhle zu ihm. Durch das Fernglas ist ein feines schwarzes Rinnsal zu erkennen, das aus dem Felsen in den Selbigsee fließt. „Verfolge die Spur, bis du das Ufer erreichst“, weist Theo Aldric an, der ihm das Fernglas aus der Hand gerissen hat. „Ich sehe einen alten Baum mit einem Vogelnest. Sonst ist da nichts – weit und breit nichts außer diesem Baum“, antwortet Aldric. „Dann müssen wir wohl zu diesem Baum“, stellt Löwenzahn fest.

Gesagt, getan: Schnell hasten die vier zu ihrem Boot. Die Aufregung lässt Aldric die Fahrt dieses Mal erstaunlich gut überstehen, und so erreichen sie kurze Zeit später das Ufer. Der kahle Baum steht direkt vor ihnen. „Der sieht ziemlich tot aus“, bemerkt Löwenzahn. „Seid vorsichtig, falls ihr klettern wollt. Das Holz ist sicher morsch.“ „Wenn ihr mich hochhebt, kann ich vielleicht das Vogelnest erreichen, ohne dass wir klettern müssen“, schlägt Theo vor.

Kaum hat er den Satz beendet, spürt er bereits Kels kräftige Hände an seiner Hüfte. Mit Leichtigkeit hebt Kel ihn bis auf Höhe des Nests. Theo späht hinein. „Bingo!“, ruft er und hält eine kleine Pergamentrolle in die Luft.

Was diese für neue Informationen enthält, erfahrt ihr allerdings erst beim nächsten Mal bei Arkanthia Pen & Paper.

Weltkarte Arkanthia.