Neue Auftragsgeber
Nach langer Suche haben unsere vier Freunde im letzten Blog endlich den geheimen Unterschlupf der „Schatten“ gefunden. Hoffen sie zumindest, sonst könnte ihre unauffällige Ankunft wahrscheinlich zu noch mehr Problemen führen, als es vermutlich ohnehin schon tut.
Laut kracht die schwere Holztür, die Kel im letzten Blog aus den Angeln getreten hatte, auf den harten Steinboden. Ohrenbetäubend hallt es in der Höhle hin und her, bis der Hall schließlich verstummt. Die Stille ist für ein paar Sekunden fast greifbar, bis plötzlich das Klacken von Stiefeln auf dem Gestein zu hören ist. Schnell nähern sich die Geräusche und kurze Zeit später sind unsere vier Freunde von mindestens einem Dutzend Kriegern kreisrund umstellt. Eine Dame mittleren Alters durchbricht den Kreis und baut sich vor den Vieren auf. „Wer auch immer ihr seid, ihr habt besser einen verflucht guten Grund, hier so aufzutauchen. Und den habt ihr besser in den nächsten zehn Sekunden“, faucht sie leise, aber sehr bestimmt. „Entschuldigung für unser unauffälliges Auftauchen“, beginnt Kel, „wir wollten uns nur gleich der ganzen Rasselbande vorstellen, das macht es so viel einfacher“, führt er aus. „Ich bin Kel Tuh Las, das sind der Halbling Theo, unser Halbork Löwenzahn, und das ist Aldric – der ist nichts Halbes, sondern ganz Mensch.“
Völlig verdattert gucken sich die Krieger an. Ein verdutzter Gesichtsausdruck ist auch auf dem Gesicht der älteren Dame zu erkennen, allerdings fängt sie sich schnell wieder und erwidert Kel: „Das ist kein besonders guter Grund. Was wollt ihr hier?“ Diesmal übernimmt Aldric den diplomatischen Part. „Entschuldigt unser forsches Auftreten, wir wurden von Leutnant Kampf geschickt, um euch das zu überreichen“, erklärt er sachlich und zieht dabei das Amulett aus der Tasche, das Kampf ihnen mitgegeben hatte. „Das Dornenfell-Amulett“, haucht die Dame, und ihre Gesichtszüge entspannen sich sichtlich. „Ihr seid die vier Neuen, von denen mir Fridolin berichtet hat. Herzlich willkommen im Hauptquartier der Schatten. Mein Name ist Plasura. Ich leite unsere Gilde seit mehr als einem Jahrzehnt und bin hier eure erste Ansprechpartnerin“, stellt sich die Dame vor. Sie streicht sich eine silbrige Strähne aus dem Gesicht zurück in ihr ausgegrautes schwarzes Haar. Sie wirkt bereits etwas knochig und dürr, jedoch zeichnen sich in ihrem Gesicht Strenge und Entschlossenheit ab. „Bevor ich euch die Gilde zeige, kommt doch bitte in mein Arbeitszimmer“, bittet Plasura, allerdings mit solch einer Deutlichkeit, dass es eher einem Befehl als einer Bitte gleicht.
Während sich der Kreis an Schaulustigen langsam wieder auflöst, werden unsere Freunde von Plasura durch einen steinernen Gang geführt und erreichen schließlich eine Holztür. Plasura öffnet sie und leitet sie in ihr Arbeitszimmer. Ein großer Raum, der durch einen Kamin recht kuschelig warm ist. Sonst ist so ziemlich gar nichts kuschelig in dem Raum: kalte Steinwände, gusseiserne Fackelhalter und Möbel aus abgegriffenem Holz. Plasura setzt sich auf einen Holzstuhl vor einem großen Schreibtisch und blickt die vier Neuankömmlinge skeptisch an. „Was zur Hölle sieht Fridolin in euch?“, fragt sie in die Runde. „Na ja, wir alle sind sehr unterschiedlich und gehen Probleme oder Aufgaben sehr verschieden an. Das kann häufig ein Vorteil sein – auch weil wir jeweils ziemlich gut in dem sind, was wir tun“, erklärt Aldric. Plasura nickt nachdenklich und blickt sie weiter an. „Ich schätze Fridolin und möchte euch eine Chance geben. Bevor ihr jedoch euren ersten Auftrag bekommt, wird heute Abend eine Zeremonie stattfinden, die euch ebenfalls zu Schatten werden lässt. Bleibt hier. Ich bereite die Zeremonie in der Eingangshalle vor und hole euch, sobald wir so weit sind.“ Mit diesen Worten verlässt Plasura den Raum.
„Was das wohl ist?“, fragt Theo in den kahlen Raum, doch er bekommt keine Antwort von seinen Freunden. Die Zeit zieht sich hin, doch schließlich tritt Plasura wieder in den Raum. „Kommt“, sagt sie feierlich und winkt unsere Freunde zu sich. Die Eingangshalle ist mit diversen Fackeln und Lampen hell erleuchtet, und einige Zuschauer haben sich auf der einen Seite des Raums versammelt. Neugierig blicken sie auf die vier Neuen. „Wir haben heute gute Neuigkeiten. Wir haben uns lange nach einer schwärzeren Nacht, nach mehr Dunkelheit gesehnt, und heute wurden wir erhört. Frische Schatten wandeln ab heute in unseren Höhlen und werden in der Stille auf die Jagd gehen“, beginnt Plasura ihre Rede und deutet dabei auf unsere vier Freunde. Schaudernd hören sie ihr zu, die nun immer weiter ausholt, bis sie schließlich mit der heutigen Zeremonie endet. „Zieht euch nun die Hemden aus. Ich werde euch und unsere Brüder und Schwestern nun mit einem Zauber vor dem Bösen schützen“, erklärt sie weiter, während sie mit schwarzer Tinte ein Symbol auf die Brustkörbe unserer Helden malt. „Solltet ihr jemals mit einem Unbekannten über uns sprechen wollen, wird unser Zeichen in Flammen aufgehen und euch hinraffen, bevor ihr auch nur die Möglichkeit dazu habt. Wir schützen euch – und so müsst ihr auch uns schützen.“ Dann beginnt Plasura mit einem mehrere Minuten andauernden Gesang in einer unbekannten Sprache. Sie wird immer lauter, bis ihr Gesang eher einem hysterischen Schreien ähnelt. Dann stoppt sie ganz plötzlich und fällt in sich zusammen. „Nun seid ihr wahre Schatten“, flüstert sie und rappelt sich dabei kraftlos auf.
Während Plasura leise den Raum verlässt, hageln Glückwünsche der anderen Gildenmitglieder auf sie ein. Doch der Tag war langsam aber sicher lang genug, und so verabschieden sich die vier so schnell es geht von der Menschentraube. „Wir müssen aber noch mal zu Plasura und unseren neuen Auftrag abholen“, erinnert sich Löwenzahn. Doch worum es sich dabei handelt, erfahrt ihr erst beim nächsten Mal bei Arkanthia Pen and Paper.